Wähle Wanderer deinen Weg

“Wähle Wanderer Deinen Weg mit Vernunft”, heißt es an einer Weggabelung im Wörlitzer Park. Diese Aufforderung bezieht sich nicht nur auf den Weg und das Ziel eines Wanderers, sondern auch auf die Gestaltung des Lebensweges jedes Einzelnen. Der Mensch soll seinen eigenen Weg wählen und zwar mit Vernunft und – was hinzugefügt werden sollte – mit Toleranz. Seinen Weg mit Vernunft und in Glaubensdingen mit Toleranz zu wählen, das ist das Programm der Aufklärung des 18. Jh.,  zu dem sich der Schöpfer des Parks, Fürst Franz, in besonderer Weise bekannt hat.

Wir, die Teilnehmer des Projektes, haben uns im Rahmen einer GPS-geleiteten Entdeckungstour auf unsere Wege gemacht um Orte jüdischen Lebens und Spuren von Toleranz zu erkunden. Einige Ergebnisse unserer Spurensuche, wobei jede Gruppe einen besonderen Schwerpunkt bearbeitete, wollen wir im Folgenden darstellen.

Die Gruppe 1 richtete ihr Augenmerk auf “Die Spur der Steine”. Denn es galt zu berücksichtigen, dass vom jüdischen Leben nur noch wenige Relikte übrig geblieben sind. Deshalb waren die Steine (und Bauwerke) an den Zielpunkten hinsichtlich ihrer Beschaffenheit, Herkunft, Funktion und Bedeutung  zu “befragen”, um auf diese Weise Spuren jüdischen Lebens zu entdecken.

Die Gruppe 2 suchte und fotografierte Spuren eines “Toleranzweges” und erkundete, welche Haltung Fürst Franz zu den Juden, den Christen und überhaupt zum Menschsein hatte, eingeschlossen das Verhältnis zur Natur und zur Kunst.

Die Gruppe 3 setzte sich mit der “Kraft der Wörter“ auseinander, mit Inschriften, Gedenktafeln und anderen Texten, mit Quellen der Erinnerung und Anzeichen von Erinnerungsverlusten. Darüber hinaus spürten sie Engagement und Zivilcourage auf, fanden aber auch Gleichgültigkeit und Intoleranz.

Diese Leitlinien unseres Geocachings stellten uns vor schwierige Aufgaben, wie sich insbesondere bei der späteren Besprechung und Auswertung zeigte.

 

Gezeichnet: Daniel Müller

Gezeichnet: Daniel Müller

 

Station 1: Gedenkstätte (Georg-Forster-Straße 164)

Start unserer Geocaching-Tour war die Gedenkstätte am ehemaligen jüdischen Friedhof.

Vorgeschichte: Vermutlich seit etwa 1700 gibt es jüdisches Leben in Wörlitz. Im Jahr 1753 organisierte der regierende Fürst Dietrich eine Umfrage unter den 30 jüdischen Familien. Damit wollte er feststellen, woher die Männer stammten, wen sie geheiratet hatten und welchem Beruf sie nachgingen. Da 20 Familien vom Kleinhandel lebten und ihre Waren auch in anderen Dörfern anboten, brauchten diese einen Schutzbrief, um ihrer Arbeit nachgehen zu können. So erhielt zum Beispiel Samuel Joseph seinen Schutzbrief am 27. Februar 1758. Er berechtigte ihn dazu, im Bereich Wörlitz zu wohnen und seinem Broterwerb nachzugehen. Er durfte Geldgeschäfte und Pfandleihe, sowie Kleinhandel betreiben. Der Schutzbrief galt aber nur für Samuel Joseph und verpflichtete ihn, sich an die bestehenden Gesetze zu halten. Weiterhin durfte er keine gestohlene Ware ankaufen und maximal 3% Zinsen nehmen. Samuel musste sich immer zu Jahresanfang melden und sein Schutzgeld hinterlegen. Die Bestimmungen des Schutzbriefes wurden nach 1848 aufgehoben, was die jüdische Bevölkerung von da an berechtigte, den Wohnsitz frei zu wählen und freien Berufen nachgehen zu können. Im 18. Jahrhundert kaufte die jüdische Gemeinde in Wörlitz ein Grundstück mit Haus und Garten, auf dem sie nach 1750, genehmigt von Fürst Franz, einen jüdischen Friedhof errichtete. Jüdische Friedhöfe, die sogenannten “Guten Orte”, waren und sind bis heute für die Juden die letzte Ruhestätte, geschaffen für die Ewigkeit. In diesem Sinne existierte auch der jüdische Friedhof in Wörlitz, an den heute nur noch eine Gedenkstätte mit den Worten “Gedenke vergiss nie”, erinnert. Auf einer Luftaufnahme von 1914 kann man etwa 130 Grabsteine auf dem Friedhofsgelände erkennen.

Schutzbrief für Samuel Joseph (S. 1), 1758

Schutzbrief für Samuel Joseph (S. 1) – (1758 Quelle: Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Dessau, Z 44 Abteilung Dessau, C 15 Nr. 71)

Luftaufnahme von 1914

Luftaufnahme von 1914

 

Obwohl in Wörlitz schon seit etwa 1900 keine jüdische Gemeinde mehr existierte, wurde der Friedhof im November 1938 von einigen Bürgern geschändet und zerstört. Nichts sollte mehr an die Existenz von Juden erinnern. Die Fragmente ihrer Grabsteine wurden zur Weg- und Hofbesfestigung genutzt und waren jahrzehntelang verschollen und vergessen.

Mit einem Artikel im Amtsblatt rief die Stadt Wörlitz 2003 dazu auf, alle noch vorhandenen Fragmente der geschändeten Grabsteine des jüdischen Friedhof ausfindig zu machen, damit sie an ihren rechtmäßigen Platz zurückkehren können. Unter Leitung des Pfarrers Dietrich Bungeroth und der Architektin Anne Sommer entstand so eine Gedenkstätte an der Stelle, wo sich früher der jüdische Friedhof befand. Heute findet man in der Gedenkstätte, welche am 08. November 2010 eingeweiht wurde, 34 Grabsteine an der Innenseite der neu errichteten Stahlwand. An der Außenseite wurden Tafeln angebracht, die über den damaligen Friedhof, die historische jüdische Gemeinde und das Denkmal informieren. In der Tür stehen die Worte “Gedenke vergiss nie” in Deutsch aber auch in Hebräisch. Die Inschrift besagt gedenke den Toten und vergiss nie, was den Juden widerfahren ist.

Tür an der Gedenkstätte

Tür an der Gedenkstätte

Die Übersetzung eines Grabsteines lautet: “Hier ist begraben. Die Frau Schewa, die Frau des ehrwürdigen Herrn Moses. Sohn des Herrn Israel. Sie beschritt den rechten Weg und starb.”

Die Übersetzung eines Grabsteines lautet: “Hier ist begraben. Die Frau Schewa, die Frau des ehrwürdigen Herrn Moses. Sohn des Herrn Israel. Sie beschritt den rechten Weg und starb.”

Der jüdische Friedhof wurde 1760 angelegt und 1790 durch das Zeremonienhaus, die Remise und die Umfassungsmauer vervollständigt. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde der Friedhof zerstört und die jüdischen Gräber geschändet. Die ehemaligen Grabsteine wurden nach und nach wieder gesammelt und in einer Gedenkstätte aufgestellt. An der Errichtung haben sehr viele Menschen, unter anderem auch Schülerinnen und Schüler, mitgewirkt.

Der jüdische Friedhof wurde 1760 angelegt und 1790 durch das Zeremonienhaus, die Remise und die Umfassungsmauer vervollständigt. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde der Friedhof zerstört und die jüdischen Gräber geschändet. Die ehemaligen Grabsteine wurden nach und nach wieder gesammelt und in einer Gedenkstätte aufgestellt. An der Errichtung haben sehr viele Menschen, unter anderem auch Schülerinnen und Schüler, mitgewirkt.

 

„Zerstört bleibt zerstört. Für das den Juden in Wörlitz nachträglich widerfahrene Unrecht ist eine Wiedergutmachung nicht möglich.“ (Dietrich Bungeroth, Mitteldeutsche Zeitung “Nur noch Spuren zu finden”, 07.11.2003)

Dieser Stellungnahme von Herrn Bungeroth ist zuzustimmen, da es für die unrechtmäßige Zerstörung des Friedhofs keine Art der Wiedergutmachung gibt. Die Errichtung dieser Gedenkstätte am ehemaligen jüdischen Friedhof ist allenfalls eine Ehrung der historischen jüdischen Gemeinschaft von Wörlitz, die einer Wiedergutmachung nicht gleich kommt. Das, was die Nationalsozialisten dort am “Guten Ort” angerichtet haben, war ohne Sinn und Verstand und macht eine Wiedergutmachung nicht möglich.

 

Station 2: Familie Weinstein (Erdmannsdorfstraße 64) und Wahllokal “Deutsches Haus” (Neue Reihe 190)

Unsere Route führte später in die Erdmannsdorfstraße 64, die ehemalige Judenstraße. Dieses Haus war um 1800 im Besitz der jüdischen Familie Levin Alexander, die sich ab 1822 Weinstein nannte. Der Enkel von Levin Alexander war Martin Weinstein, der später Ehrenbürger von Wörlitz wurde. Er wurde im Jahr 1864 vermutlich im Hinterhaus der Judenstraße 64 geboren. Das Hinterhaus hatte einen eigenen Zugang in der Straße “Neue Reihe”. Nach seiner kaufmännischen Lehre in Hamburg verließ Weinstein Deutschland und ging nach Lissabon. Dort arbeitete er als Bankier und als Konsul für einige südamerikanische Staaten. Weinstein finanzierte mit einer Spende den Bau der Turnhalle von Wörlitz. Martin Weinstein starb am 20. Februar 1917 in Madrid. In einem Nachruf vom 27. Februar 1917 wurde der Ehrenbürger und Wohltäter Martin Weinstein mit folgenden Worten geehrt: „Durch außerordentliche Tatkraft und begabt mit klugem Verstand hatte er sich ein reiches Wissen und eine hochgeachtete Stellung im Auslande erworben. Den ihm zufließenden Reichtum verwandte er, um mit milder Hand reiche Gaben zur Linderung von Not und Sorgen zu spenden. Auch seine Vaterstadt Wörlitz, die er gern besuchte, hat in reichem Maße seine freundliche Güte und Hilfe erfahren. Wir beklagen mit dem Hinscheiden des treuen Mannes einen schweren Verlust und werden sein Gedächtnis in dankbarer Erinnerung stets hoch in Ehren halten.”

In der Erdmannsdorfstraße 64 (früher Judenstraße) befindet sich das Geburtshaus von Martin Weinstein, der zum Ehrenbürger von Wörlitz ernannt wurde. Er war Deutscher mit jüdischem Glauben, der in der Zeit des Nationalsozialismus, wie viele andere Menschen, nicht mehr als Deutscher angesehen wurde. Deshalb wurde zu dieser Zeit auch seine Gedenktafel von den Nazis entfernt.

In der Erdmannsdorfstraße 64 (früher Judenstraße) befindet sich das Geburtshaus von Martin Weinstein, der zum Ehrenbürger von Wörlitz ernannt wurde. Er war Deutscher mit jüdischem Glauben, der in der Zeit des Nationalsozialismus, wie viele andere Menschen, nicht mehr als Deutscher angesehen wurde. Deshalb wurde zu dieser Zeit auch seine Gedenktafel von den Nazis entfernt.

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Dieses Haus, in den 30er Jahren eine Gaststätte, diente 1932 als Wahllokal. Über die Hälfte der Wähler entschieden sich in diesem Jahr für die NSDAP. Es wird davon ausgegangen, dass etliche der Wähler antisemitisch eingestellt waren.

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Hinterhof der ehemaligen Judenstraße 64

 

Dieser Nachruf zeigt, dass damals auch Juden hochgeachtete Mitbürger sein konnten. Wir stellten uns die Frage, wieso die anderen Menschen später die Juden verfolgten und als schlecht darstellten. Selbst heute noch gibt es antisemitische Vorurteile. Wir denken, dass alle Menschen gleich sind, egal welcher Religion sie angehören. Deshalb finden wir es sehr gut, dass an dem Geburtshaus von Martin Weinstein eine Gedenktafel angebracht ist, die uns Näheres über den jüdischen Kaufmann und seine “guten” Taten vermittelt.

12 Nachruf 1917

Nachruf Martin Weinstein

 

Station 3: Innenhof der Touristeninformation (Förstergasse 26)

Auf dem Innenhof des Geländes, auf dem sich heute die Touristeninformation befindet, wurden 1987 die Grabsteine gefunden, die jetzt in der Gedenkstätte am ehemaligen Friedhof stehen. Diese Grabsteine wurden nach 1938 mit den Schriftfeldern nach unten für die Hofpflasterung verwendet. Dadurch wurden die Grabsteine erheblich zerstört, andererseits blieb aber die Schrift relativ gut erkennbar.

Die Grabsteine des ersten Fundes von 1951

Die Grabsteine des ersten Fundes von 1951 – (Quelle: Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt, Abteilung Magdeburg, K 3 Ministerium des Innern, Nr. 4095 II, Bl. 517)

Auf dem Innenhof dieses Gebäudekomplexes wurden die Grabsteine gefunden, die jetzt in der Gedenkstätte am ehemaligen Jüdischen Friedhof stehen. Sie waren für die Hofpflasterung verwendet worden, mit den Schriftfeldern nach unten.

Auf dem Innenhof dieses Gebäudekomplexes wurden die Grabsteine gefunden, die jetzt in der Gedenkstätte am ehemaligen Jüdischen Friedhof stehen. Sie waren für die Hofpflasterung verwendet worden, mit den Schriftfeldern nach unten.

 

Station 4: Turnhalle (Kirchgasse) und Schule (Amtsgasse 37)

Unsere Geocaching-Tour führte uns in die Kirchgasse. Dort fanden wir eine Turnhalle, welche von dem jüdischen Kaufmann Martin Weinstein gestiftet wurde. Er spendete 10.000 Reichsmark, da die Wörlitzer sich so sehr eine Turnhalle wünschten. Der Turnunterricht fand bereits seit 1874 statt. Er musste aber im Freien oder in der Gaststätte “Weintraube” stattfinden, bis 1915 die Turnhalle eingeweiht werden konnte. Die Wörlitzer bedankten sich bei Martin Weinstein, indem sie am Eingang der Halle eine Gedenktafel für den jüdischen Spender anbrachten. Dieses Schild wurde 1932 entfernt, da die NSDAP, welche damals bereits die Mehrheit im Rathaus hatte, nicht öffentlich zeigen wollte, dass ein Jude Stifter dieser Turnhalle war. Schon in alter Zeit, als es in Wörlitz noch getrennte Schulen für Knaben und Mädchen gab, wurden christliche und jüdische Kinder zusammen unterrichtet. Die Tatsache des gemeinschaftlichen Unterrichts finden wir gut, da man hierbei sehr gut Toleranz lernen kann. Wenn Angehörige unterschiedlicher Religionen zusammen unterrichtet werden, führt dies zu einer größeren Akzeptanz gegenüber Andersgläubigen. Wir finden es deshalb nicht so gut, dass es heute Schulen gibt, bei denen nur eine Glaubensgemeinschaft unterrichtet wird.

Die Turnhalle wurde 1915 erbaut. Die finanziellen Mittel stellte der jüdische Einwohner Martin Weinstein zur Verfügung.Wahlergebnisse 1924-1933: Bei der ersten Reichstagswahl im Jahr 1932 gingen  607 der 1200 Stimmen an die NSDAP. Die Wahlen wurden in der ehemaligen Gaststätte „ Deutsches Haus“ in der Straße „ Neue Reihe 190“ durchgeführt.

Die Turnhalle wurde 1915 erbaut. Die finanziellen Mittel stellte der jüdische Einwohner Martin Weinstein zur Verfügung.

Wahlen

Wahlergebnisse 1924-1933: Bei der ersten Reichstagswahl im Jahr 1932 gingen 607 der 1200 Stimmen an die NSDAP. Die Wahlen wurden in der ehemaligen Gaststätte „ Deutsches Haus“ in der Straße „ Neue Reihe 190“ durchgeführt.

In der Amtsgasse 37 befindet sich das neue Schulgebäude von 1877 mit acht Klassenräumen für alle Kinder. Unabhängig von religiöser Erziehung nahmen sie gemeinsam am Unterricht teil, jedoch wurden jüdische Kinder nachmittags von ihrem Kantor in hebräischer Sprache und dem Lesen der Tora unterrichtet. Dafür hatte die Gemeinschaft eine eigene Schule, denn man wollte natürlich die eigenen Traditionen erhalten.

In der Amtsgasse 37 befindet sich das neue Schulgebäude von 1877 mit acht Klassenräumen für alle Kinder. Unabhängig von religiöser Erziehung nahmen sie gemeinsam am Unterricht teil, jedoch wurden jüdische Kinder nachmittags von ihrem Kantor in hebräischer Sprache und dem Lesen der Tora unterrichtet. Dafür hatte die Gemeinschaft eine eigene Schule, denn man wollte natürlich die eigenen Traditionen erhalten.

 

Station 5: Rathaus (Erdmannsdorfstraße 87) und Markt mit Obelisk und Wohnhaus der Familie Cohn (Markt Nr. 92a)

Julie von Cohn wurde am 5.11.1839 als einzige Tochter von Moritz Cohn und seiner Frau Charlotte Cohn in Berlin geboren. 1858 heiratet sie den Kaufmannssohn Ferdinand Oppenheim. Sie war als gläubige Jüdin Mitglied des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und des Hilfsvereins deutscher Juden. “In Anerkennung ihrer in wahrhaft großherzigen Weise durch Schenkung und Stiftung für die Stadt Dessau betätigten Liebe zu ihrer Vaterstadt”, bekam sie am ersten Todestag ihres Vaters im April 1901 die Dessauer Ehrenbürgerschaft verliehen. Am 05.01.1903 verstarb J. Cohn nach längerer Krankheit in Berlin. Sie hinterließ der Israelitischen Kultusgemeinde Dessau und der Stadt Dessau je 5 Mio. RM (Reichsmark) und Wörlitz 130 000 RM. Dieses Geld wurde als Stiftungskapital angelegt und “für Werke allgemeiner Menschenliebe und Fürsorge ohne Unterschied des Bekenntnisses” verwendet. Mit dieser im Testament hinterlegten großzügigen Spende wurde sie zur größten Wohltäterin in der Stadtgeschichte Dessaus. Die gestifteten 130 000 RM in Wörlitz kamen dem Bau des Obelisken zu Gute. Dieses Denkmal besteht aus Kaltsteinen und steht auf zweifach quadratischem Sockel und einer dreistufigen Treppeanlage. Jahre später, 1932 wurden weitere 69 Namen eingraviert. Es sind Soldaten, die im 1. Weltkrieg ihr Leben als “Helden” verloren. Nach dem 2. Weltkrieg, in dem 126 Wörlitzer Bürger gefallen waren, wurde das Denkmal um diese Namen ergänzt. Zusammengezählt wurden 199 “Helden”, die ebenfalls Bewohner von Wörlitz waren. Menschen, die ihr Leben für die späteren Generationen opferten, ein Denkmal zu errichten, damit sie nie aus den Köpfen der Nachwelt verschwinden und somit vergessen werden können, ist für unsere Zeit von großem Wert. Unserer Ansicht nach ist der Obelisk ein wertvolles Denkmal, das an die Menschen erinnert, die gefallen sind. Diese Botschaft sollten alle in der Welt annehmen und zwar, dass es nie wieder Krieg geben sollte. Auch Julie von Cohn-Oppenheim gebührt unser Dank, denn ohne ihr Testament wäre es nicht möglich gewesen, den Obelisken zu erbauen. So haben wir einen Ort der Erinnerung.

Der Obelisk wurde von der Jüdin Baron Julie von Cohn-Oppenheim gestiftet, um an alle Einwohner von Wörlitz zu erinnern, die im deutsch-französischem Krieg (1870-1871), im 1. Weltkrieg (1914-1918) und im 2. Weltkrieg (1939-1945) gefallen sind. Unserer Meinung nach ist es wichtig zu bemerken, dass die Stifterin des Obelisken nicht genannt wird.

Der Obelisk wurde von der Jüdin Baron Julie von Cohn-Oppenheim gestiftet, um an alle Einwohner von Wörlitz zu erinnern, die im deutsch-französischem Krieg (1870-1871), im 1. Weltkrieg (1914-1918) und im 2. Weltkrieg (1939-1945) gefallen sind. Unserer Meinung nach ist es wichtig zu bemerken, dass die Stifterin des Obelisken nicht genannt wird.

Wohnhaus der Familie Cohn (Markt 92a)

Wohnhaus der Familie Cohn (Markt 92a)  Hier wurde 1777 I.H. Cohn geboren, der in Dessau 1833 oder 1837 die erste Sparkasse gründete und Wörlitzer Ehrenbürger war. Seine Enkelin Julie von Cohn-Oppenheim stiftete 1903 das Kriegerdenkmal auf dem Markt. Seit dem Ende des 19. Jahrh. Bauerngehöft und Fuhrgeschäft Fischer bis 1953.

 

 

Die Gedenktafel am Haus Markt 92a, die an den Wörlitzer Ehrenbürger Itzig Hirsch Cohn erinnerte, wurde 1932 entfernt. Es ist beabsichtigt, hier eine neue Tafel anzubringen zum Gedächtnis an die wohltätige jüdische Familie Cohn, die hier bis Ende des 19. Jh. gewohnt hat.

 

Station 6: Kirche (Kirchgasse)

In Wörlitz wurde die erste Kirche 1201 geweiht. Die Kirche wurde im 12 Jhr. im romanischen Baustil erbaut. Gründer war der Askanierfürst Albrecht der Bär. Fürst Franz ließ die Kirche im Stil der englischen Backsteingotik umbauen. Die Einweihung war 1809. Die Petrikirche hat nun ein hochgestecktes Äußeres und eine schöne Aussichtsplattform, die man durch Treppenstufen erreichen kann. Sie wurde zu einer Landmarke gemacht und wird umgeben von einem Park mit wunderbarem Blick auf die Landschaft. Der Bibelturm ist eine ökumenische Initiative in Anhalt.

Fürst Franz ließ diese Kirche von 1804-1809 im neugotischen Stil umbauen. Durch seine Bildungsreisen durch Europa nahm er viele neue Eindrücke auf, die er in diesem Bauvorhaben verwirklichte. Dies zeigt die Offenheit des Regenten für neue Dinge und Einflüsse.

Fürst Franz ließ diese Kirche von 1804-1809 im neugotischen Stil umbauen. Durch seine Bildungsreisen durch Europa nahm er viele neue Eindrücke auf, die er in diesem Bauvorhaben verwirklichte. Dies zeigt die Offenheit des Regenten für neue Dinge und Einflüsse.

 

Station 7: Synagoge (Amtsgasse)

Unsere Tour entlang des Toleranzweges führte uns auch zur Synagoge.

Bekannt ist, dass an dem Ort des heutigen Rathauses die erste Synagoge stand. Es darf angenommen werden, dass es sich um ein Wohnhaus gehandelt hat, in dem sich Betsaal und Schulraum befunden haben. Das Bethaus wurde auch “Judentempel” genannt. Im Jahre 1788 wurde das Bethaus abgerissen und als Ersatz ließ Fürst Franz – wegen seiner Güte auch Vater Franz genannt – die neue Synagoge von Erdmannsdorff nach römischem Vorbild errichten. Seit etwa 1900 fand dort kein regelmäßiger Gottesdienst mehr statt. In der Literatur findet man die Aussage, dass die Synagoge in der “Kristallnacht” brannte, dies entspricht jedoch nicht der Wahrheit. Es soll sich in der Nacht folgendes zugetragen haben: “Am 10. November 1938 befand sich Hans Hallervorden (1872-1965) in seiner Funktion als Garteninspektor um 11 Uhr nachts auf einem Kontrollgang, er war allein und ohne Waffe, was sich hinterher als Nachteil herausstellte. Er durchstreifte zunächst die Anlagen, fand dort aber nichts Verdächtiges. Als er dann zur Synagoge kam, bemerkte er im Dunkeln plötzlich eine Gestalt auf dem Podest, nachdem er durch das brennende Licht in der Synagoge aufmerksam wurde. Im Licht seiner Taschenlampe bemerkte er den Kaufmann Ruppel, der ihn warnen wollte, indem er flüsterte: ‘Pst! Es sind zwei drin!’ Danach verschwand er im Dunkeln. Im Inneren sah er einen Mann von hoher, schlanker Gestalt auf der zum Frauenraum führenden Treppe stehen, der trotz seiner Aufforderung herunterzukommen, unbeweglich stehen blieb und sich den Mantel vor das Gesicht hielt. Hans Hallervorden gelang es nicht, ihm den Mantel fortzuziehen. Er ging davon aus, dass es der damalige Förster war, der vor ihm stand. Von der zweiten Person, die sich anscheinend oben befand, war nichts zu sehen. Die Holztreppe war von oben bis unten mit Hobelspänen und kleinen Holzstückchen belegt. Am Fuße der Treppe stand ein großer Behälter mit Benzin. Er wiederholte seine Aufforderung, indem er darauf hinwies, dass die Synagoge längst keine mehr sei und dass somit jeglicher Grund zur Ausführung der geplanten Aktion entfalle. Da der Mann durch nichts zu bewegen war, seinen Platz zu verlassen, er ihm aber allein und ohne Waffe nicht zu Leibe gehen konnte, versuchte er nun die Tür von außen zuzuhalten. Eine mutige Frau, die sich auf dem Nachhauseweg von einer Versammlung befand, eilte zur Hilfe. Nun versuchten die beiden Männer von innen die Tür aufzureißen, was ihnen nach längerem Hin und Her auch gelang. Sie verschwanden unerkannt im Dunkeln und seine Verfolgung blieb erfolglos.” (Archiv der Kulturstiftung Dessau Wörlitz)

Diese Synagoge hat Fürst Franz für die jüdische Gemeinde nach römischem Vorbild bauen lassen, 1790 eingeweiht. Nach dem Brandanschlag (09. November 1938) wurde die Synagoge bis 2003 restauriert und im September 2005 wiedereröffnet, obwohl keine jüdische Gemeinde mehr in Wörlitz existierte.

Diese Synagoge hat Fürst Franz für die jüdische Gemeinde nach römischem Vorbild bauen lassen, 1790 eingeweiht. Nach dem Brandanschlag (09. November 1938) wurde die Synagoge bis 2003 restauriert und im September 2005 wiedereröffnet, obwohl keine jüdische Gemeinde mehr in Wörlitz existierte.

Hinter der Synagoge befindet sich die Amtsfähre, mit der die Überfahrt zum Toleranzblick ermöglicht wird. Diese kann als symbolische Verbindung von Synagoge und Toleranz gesehen werden.

Hinter der Synagoge befindet sich die Amtsfähre, mit der die Überfahrt zum Toleranzblick ermöglicht wird. Diese kann als symbolische Verbindung von Synagoge und Toleranz gesehen werden.

Türgriffe der Eingangstür der Synagoge

Türgriffe der Eingangstür der Synagoge

Blick hinauf zur Synagoge

Blick hinauf zur Synagoge

Eine Auswirkung des Handelns von Herrn Hallervorden war der Verlust seines Arbeitsplatzes. Obwohl er damit rechnen konnte, hat er diese Zivilcourage gezeigt und 1938, als in Deutschland viele Synagogen verbrannten, diese Synagoge gerettet. In der heutigen Zeit müsste man Menschen suchen, die so eine Zivilcourage zeigen würden. Wir finden das Handeln von Hans Hallervorden sehr gut, denn für andere einzutreten, egal welchem Glauben sie angehören, das nennt man Toleranz und Zivilcourage.Die Synagoge war Eigentum des Fürsten Franz von Anhalt, er übergab sie den Juden zur gemeinschaftlichen Nutzung. An dem Standort der Synagoge, nicht weit von der Kirche, erkennt man die Toleranzpolitik des Fürsten, denn er erbaute nicht nur fünf neue Kirchen für die Christen, sondern gab auch anderen Glaubensgemeinschaften die Möglichkeit ihren Glauben auszuüben.Nach dem 10. November 1938 wollte der Wörlitzer Bürgermeister, dass alles, was an Juden erinnert, verschwindet und somit auch die Synagoge. Nach drei Wochen wurde die Synagoge vollständig ausgeräumt. Die hölzernen Einbauten und Bronzelampen wurden abgerissen und als Brennholz oder Altmaterial verkauft. Der Blick von der Stadt her wurde mit Pappeln zugepflanzt. Während des folgenden Krieges ist die Vernichtung der Synagoge in Vergessenheit geraten.Erst im Jahre 1985 wurde die Sichtachse zur Synagoge (Toleranzblick) wieder freigeschnitten und das Gebäude wurde restauriert. 1988 konnte die Mikwe wieder freigelegt werden. Im Juni 2005 wurde die originalgetreue Restaurierung abgeschlossen. Heute befindet sich in der Synagoge eine Ausstellung zur Geschichte der jüdischen Gemeinden in Anhalt.Es ist heute selbstverständlich, dass Kirchen und Synagogen restauriert und für die Nachwelt erhalten werden. Damit handeln wir im Sinne von Fürst Franz. Er ließ nicht nur Kirchen für die Christen, sondern auch Synagogen für die Juden erbauen. Sein Denken ist geprägt von Toleranz gegenüber allen Glaubensgemeinschaften.

14 Synagoge Längsschnitt

Alle Einbauten in der nach dem Vorbild eines antiken Rundtempel erbauten Synagoge waren aus Holz. An der Wand Richtung Osten stand das Heiligste. Hinter einem Vorhang wurden die Rollen der Bibel (Tora) aufbewahrt. Das Betpult (Almemor) stand als Ort der Schriftlesung in der Mitte des Synagogenraumes, darunter befand sich das Ritualbad (Mikwe). So waren das Lesen der Tora und die rituelle Reinigung als wichtige Elemente der jüdischen Frömmigkeit auch baulich aufeinander bezogen. Im Gottesdienst saßen die Männer auf den kleinen Holzpulten, Frau und Kinder auf der Empore. Die letzten Fotoaufnahmen stammen von 1937 und zeigen den noch relativ intakten Innenraum. Dem Zeitgeschmack folgend, waren Kuppel und Wände hell gestrichen worden. (So erging es zu Ende der 1920er Jahre auch vielen Kirchen.) Das ursprüngliche Farbkonzept der Synagoge konnte erst 2003 wieder hergestellt werden: Ein intensives Blau der Kuppel, ein helles Gelb der Sterne und des Strahlenkranzes und ein Ziegelrot auf den Wandflächen. – (Quelle: Kulturstiftung DessauWörlitz)

 

Station 8: Amtsfähre

Die Amtsfähre diente uns zur Überfahrt zur Station 9 - dem Toleranzblick

Die Amtsfähre diente uns zur Überfahrt zur Station 9 – dem Toleranzblick

 

Station 9: Toleranzblick mit goldener Urne und Warnungsaltar

Hier sehen wir den Toleranzblick im Wörlitzer Park. Er symbolisiert die Einstellung des toleranten Fürsten, Leopold III. Friedrich Franz (1740-1817) von Anhalt-Dessau, zur christlichen und jüdischen Religion.

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Wenn man den Toleranzblick erreicht hat, kann man auf der linken Seite die Synagoge von Wörlitz sehen. Richten wir unseren Blick ein wenig nach rechts, sehen wir zuerst die christliche Kirche und dann den Warnungsaltar. In der Mitte, im Vordergrund, kann man die Goldene Urne sehen. Diese Konstellation spiegelt die Toleranz von Fürst Franz wider und stellt ein Angebot an alle Besucher des Parks dar. Es scheint, als würden die Kirche und die Synagoge sehr nahe zusammen sein. Das lässt uns an den Spruch von einem Grabstein aus Gröna denken: „Ob Jude, Heide oder Christ, im Tode sind wir alle gleich, darum sei und bleibe Mensch“. Durch diesen Blick wird uns verdeutlicht, dass wir alle eng zusammen stehen können, egal welcher Religion wir angehören. Dies finden wir gut, weil wir dann besser miteinander umgehen und leben.

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Der aus Sandstein erbaute Warnungsaltar ist das älteste bekannte Naturschutzdenkmal. Es wurde im Auftrag von Fürst Franz im Gedenken an den verstorbenen Freund und Baumeister Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff (1736-1800) errichtet. Es ist ein römischer Altar mit der Umschrift: „ Wanderer achte Natur und Kunst und schone ihre Werke.“ Die Umschrift finden wir einen guten Gedanken, da man die Natur und die Kunst achten sollte. Insbesondere die Natur ist heute durch die Industrialisierung und unsere Lebensweise erheblich bedroht. Die Natur ist lebenswichtig für uns und sie muss wie in der Umschrift bereits gesagt geschont werden.

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Diese Urne im Wörlitzer Park  ist ein Andenken an die totgeborene erste Tochter von Fürst Franz und seiner Frau Luise. Dass diese Urne den Wörlitzer Park schmückt ist gut, weil es die Vergänglichkeit ausdrückt und uns auf Liebe und Treue auch über den Tod hinaus hinweist.

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Diese Toleranz gegenüber allen Religionen wollen wir mit diesem Herz ausdrücken. Leider wächst die Sichtachse zur Synagoge langsam zu.

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